Barock-Konzerte im historischen Jagdsaal Willrode

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts erlebten zahlreiche Residenzen eine Blütezeit Barocker Kultur. Noch heute bewundern wir die Meisterleistungen auf den Gebieten der Architektur, Malerei, Plastik, Musik und Theaterkunst. Nach damaliger Auffassung hatten alle Kunstsparten vornehmlich der Mehrung von Glanz und Ruhm des jeweiligen Herrscherhauses zu dienen. Das Repräsentationsstreben der Regenten wirkte sich oft impulsgebend für künstlerische Innovationen aus.
Wichtige Residenzen waren in dieser Zeit die kulturtragenden Einrichtungen und jeder Fürst versuchte einen renommierten Baumeister, einen vorzüglichen Maler, einen vielversprechenden Komponisten sowie versierte lnstrumentalisten und Sänger in den Dienst zu nehmen. Man stand untereinander in Konkurrenz um das schönste Schloss, das prunkvollste Opernhaus, die großartigste Sammlung von Kunsterzeugnissen, das ausgefallenste Raritätenkabinett und vieles mehr.
Die kulturelle Ausstrahlung des Versailler Hofes spiegelte sich noch im kleinsten Duodezfürstentum bis hin zur Sprache und Etikette wider. Das Regierungszentrum der Könige Louis XIV und Louis XV war zugleich Brennpunkt des französischen Musiklebens. Hier wirkten u.a. der führende Musiktheoretiker und Komponist Jean Philippe Rameau, glänzten Flötenvirtuosen wir Jacques Hotteterre und Michel Blavet und hier brillierte das cembalistische Wunderkind Elisabeth Jacques la Guerre. Insbesondere die vielsätzige französische Suite fand in Paris ihre volle Ausprägung. Selbst in Zwergfürstentümern wie dem Gothaer Hof wurde die Musik zum Statussymbol. Durch eine Studienreise nach Italien wurde das Schaffen des umtriebigen Gothaer Hofkapellmeisters Gottfried Heinrich Stöltzel allerdings stark von der dort entstandenen Gattung der Triosonate beeinflusst. Sein Nachfolger Jiri Benda leistete einen ganz entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des deutschen Singspiels. Auch der einflussreiche Komponist von europäischem Format Johann Pachelbel hinterließ als zeitweiliger Hoforganist in Gotha seine Spuren.

Dem Bukolischen ist der zweite Teil des Zyklus gewidmet.
In der Barockzeit blühten die an antike Hirtendichtung angelehnten sogenannten Schäferspiele. Eine ,,Cantata da camera" wie Händels „Nel dolce dell'oblio" war nichts anderes als eine Miniaturoper: Diese Gattung pflegten damals fast alle Komponisten. Gesangs- und Instrumentalbeiträge ländlich-idyllischen Inhalts ergänzen die dem einmaligen Ambiente des Jagdsaales angepassten Programme.

Frieder Gauer

Der Eintritt zu den Barock-Konzerten beträgt jeweils 14,- €. Um Anmeldung unter Tel. 036209-43020 wird gebeten. Veranstalter: Thüringer Forstamt Erfurt-Willrode, Förderverein Forsthaus Willrode e.V.

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