Geschichte

Ehemaliges Logo des Vereins Forsthaus WillrodaDie Entstehung des Forsthauses führt uns in die Zeit um das 11. Jh., also bis in die Rodezeit zurück (-> Will-Rode). Von 1290 bis 1450 wurde die Anlage bewirtschaftet vom Neuwerkskloster Erfurt (Augustinerinnen). In diesen unruhigen Zeiten wurden als Schutz die hohe Mauer, Wall und Graben - eine "Wasserburg im Kleinen" - errichtet.

Das Gut wurde zweimal zerstört:
- im Thüringer Grafenkrieg 1342 - 1346,
- im Sächsichen Bruderkrieg 1446 - 1451.
Das führte dazu, dass das Kirchengut in die Hände eines alten Bürgergeschlechtes aus Erfurt gegeben wurde:
Ad vitae = Auf Lebenszeit - abgabenfrei, erhielt es im Jahre 1450 Claus Hildebrant von Willröda.
Da die Gebäude im Sächsichen Bruderkrieg bis auf den Wehrturm (Kapelle) zerstört waren, begann er mit dem Aufbau. Von den damals errichteten Gebäuden ist nur noch ein kleiner Teil erhalten (Backhaus).

1495 - 1573Gottesdienste (Wigbertmönche)
Keine Nachkommen von Willröda. Gut fiel an die Stadt. Verfall.
1574 - 1664Gut der Stadt Erfurt
1664 - 1802Mainzer Herrschaft (Lehensträger Grafen von Gleichen, Schwarzburg), Gottesdienste
1803 - 1945Preußisches Gut
 Grundriss Försterei Willrode 1880
Grundriss der "Försterei Willrode" 1880
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Kapelle

Deutlich erhebt sich die Burgkapelle, ein gut erhaltener Quadersteinbau im romanischen Stil (Rundbogenfries, Apsis, arm an Zierformen).


Grundrisse von Obergeschoss, Kapelle und Untergeschoss. Querschnitt und Ansicht von Westen.
(nach RAINER MÜLLER, 2003)

Bislang wurde aufgrund der romanischen Baustile angenommen, ein um 1100 oder vielleicht im 13. Jh errichteter Wehrturm sei später zur Kapelle umgestaltet worden (vgl. HANS SCHUCHARDT 1928,1964). Inzwischen halten Baugeschichtler (vgl. RAINER MÜLLER, 2003: "Die Kapelle des Forsthauses Willroda - eine romanische Wehrkirche?") es für wahrscheinlicher, dass die durch den Erfurter Geleitsmann Hildebrandt errichtete Burgkapelle kein Umbau eines Wehrturms ist, sondern erst 1495 im romanischen Stil nachempfunden wurde, in dieser Wehrhaftigkeit sicher auch, um notfalls als letzte Zufluchtsstätte der Bewohner zu dienen.

Details:

  • nachträglicher Einbau eines gotischen Eingangs von der Hofseite;
  • im Tympanon befindet sich unter dem gotischen Bogen eine gut erhaltene Darstellung vom "Schweißtuch der Veronika";
  • bei der Einweihung der Kapelle wurde dieses Sandsteinrelief angebracht;
  • die gotische Tür befindet sich im städtischen Museum;
  • in dem Seebergener Sandsteinpfosten der Tür befinden sich Rillen (durch Säbelschärfen oder abgeriebenem Sandstein als Heilmittel)

Im Inneren enthält die Kapelle kleine romanische Fenster. Unter der Kapelle befindet sich ein Kellergeschoss. Ob hier ein Mausoleum ist, in dem der Stifter der Kapelle beigesetzt wurde, bleibt fraglich.

Im Jahre 1509 gab der Stifter den Auftrag zum Bau eines steinernen Marienaltars - Madonna im Strahlenkranz, typisch um 1500.

Im eigentlichen Kapellenraum erblicken wir über dem Altar hinweg Rundbögen der Apsis und die Schießscharten. Rechts und links des Altars befinden sich eingelassene Geräteschreine mit Wappenschildern. Im Jahre 1511, dem Sterbejahr des Stifters, befand sich das Altarbild in der Kapelle. Zirka 200 Jahre lang war es verschwunden und wurde durch die dann ansässige Försterei im Jahre 1760 in Hochheim wiederentdeckt. 1774 fand der steinerne Altar in der neugebauten Kapelle in Hochheim seine Bleibe.

Blick auf Scheune, ehem. Remise und Kapelle in WillrodeAltar in der Apsis der Kapelle WillrodeDeckengemälde in der Kapelle Willrode
Bilder von der Kapelle in Willrode (die Vorschaubilder sind anklickbar...).

Forsthaus

Das Forsthaus Willrode (vor der Renovierung)
Das Forsthaus Willrode (vor der Renovierung ca. 1990)

Nach einem Brand eines Vorgängerhauses um ca. 1720 wurde das jetzige Haupthaus 1745 neu errichtet. Zunächst war es nur eingeschossig, hatte eine große Toreinfahrt in der Mitte des Gebäudes und eine wenig untergliederte Säulen-/Tuchhalle im Westteil (Tücher wurden als "Lappen" bei der Jagd verwendet). Schon bald zeigten sich erhebliche Baumängel durch Fäulnis im Holz und Salpeter in den Wänden. Auch die Tuchhalle wurde offenbar den wirklichen Ansprüchen nicht gut gerecht.

1763 - der siebenjährige Krieg war gerade zu Ende - erfolgte der erste Umbau. Die Außenwände wurden erneuert und Backsteine ersetzten Flechtwerk und Lehm. In die Halle wurden Zimmerfluchten eingezogen. Diese zusätzlichen wohlhabend mit Stuckdecken und Öfen ausgestatteten Wohnräume sollten offenbar dem Aufenthalt des Statthalters von Erfurt (Karl Wilhelm von Breidbach, der Neffe des Mainzer Erzbischofs) und seiner Begleitung bei Jagdaufenthalten in Willroda dienen.

Die feine Jagdgesellschaft hatte an Willroda offenbar Gefallen gefunden und bereits 1768/69 entschloss man sich, das Forsthaus auch als Jagdschloss zu nutzen. Um das Gebäude entsprechend zu erweitern wurde das Dach abgehoben, zwischengelagert, und ein zweites Stockwerk errichtet. Unter anderem entstand exakt in der Gebäudemitte im oberen Stockwerk ein prächtiger Jagdsaal mit Stuckdecke (ca 10x7,50 m). Nachfolger im Amt des Statthalters wurde 1771 Carl Theodor von Dalberg. Er sorgte für den weiteren Innenausbau und beauftragte den Bayreuther Hofmaler Zöllner, den Jagdsaal mit großformatigen Wandgemälden mit Jagdmotiven auszuschmücken. Goethe, der sächsische Herzog Carl August und andere bedeutende Zeitgenossen genossen den Aufenthalt und die Jagd in Willrode. Goethe schreibt er in einem Tagebucheintrag vom 1. Okt. 1776: "Nach Erfurt kam der Herz mit Wedeln   Muntres Mittagmahl   Nach Tisch auf Willrode   Viel geschwatzt auf dem Birschgang mit d Statthalter und folgl nichts geschossen".

Allerdings gelang der Umbau des Forsthauses zum Jagdschloss nur wenig sachkundig, was die Statik im Gebäude anbelangt. Das Primat galt wohl mehr der Barocken Symmetrie, als etwa solchen Gesichtspunkten, dass Wände nur auf bestehenden Wänden errichtet werden sollten. Schon bald senkte und verwarf sich der Boden im Jagdsaal um über 20 cm.

Mit dem Ende des Kurstaates Mainz und der ersten Übernahme Erfurts durch Preußen endete die Geschichte des Forsthaus Willroda als "Jagd- und Lustschloss". Das Anwesen wurde aber weiterhin als Wohnung und Dienstsitz der Försterei Willroda genutzt. Daran änderten auch die wechselnden Besitzverhältnisse in den folgenden Jahren nichts. (1802-1806 Königreich Preußen, 1806-1812 Domain-Gut Napoleons im Besitz des Grafen Tascher de la pragerie, ab 1813 bis 1945 wieder preußisch.)

1833 ließ Oberförster Brauns die schadhaft gewordenen Schwellen und Erdgeschosswände auswechseln. Dazu wurde das gesamte Gebäude mit Winden "aufgeschraubt" und die erdnahen Bereiche saniert. Die östliche Stallzone wurde um ein Drittel verkleinert und stattdessen zusätzlicher Wohnraum im Erdgeschoß geschaffen. Das große Einfahrtstor wurde zu einer Haustür verkleinert. Im Fachwerk findet sich noch der ehemalige Torbogen.

1914/15 wurden Stallungen zu Wohnraum umgebaut. Eine zweite Eingangstür in der Südfassade ermöglichte Zugang von außen. Der östlich an das Haupthaus anschließende ehemalige Kuhstall wurde aufgestockt und eine Außentreppe mit Galerie zur Erschließung des Obergeschosses neu errichtet.

Umfangreiche Sanierung des Forsthauses 2004Ab 1995 begannen erste Erhaltungsmaßnahmen, 2001 die Generalsanierung des Anwesens. Im Erdgeschoß mußten die meisten Wandschwellen, sowie beide Traufwände des Forsthauses erneuert werden. Darüber hinaus wurden zwei Binnenwände aus der ersten Umbauphase von 1763 versetzt um die Statik wiederherzustellen.

Bei der Sanierung des Fundaments stieß man auf eine erstaunliche ehemalige Wasserversorgung: Ursprünglich muss von der Quelle durch die Wehrmauern und direkt durch das Hauptgebäude ein offenes Rinnsal geflossen sein, das auch drei Schotten im Gebäude speiste, die vielleicht als Wasserreservoir oder zur Fischhälterung genutzt wurden. Später wurden die Öffnungen aber offenbar wieder verbaut.

Auch das Fachwerk wurde infolge der Sanierungsarbeiten freigelegt und war bauhistorisch sehr aufschlussreich. So konnte man die Spuren der verschiedenen Bauphasen deutlich erkennen. Etwa zwei Drittel aller Fachwerkausfachungen wurden durch Stampflehm ersetzt. 2006 wurde das Haus wieder verputzt.

Nach Abschluss der Sanierung hat das Forstamt im September 2009 die unteren Räume bezogen, während der schmucke Jagdsaal mit den restaurierten Gemälden für kulturelle Veranstaltungen der Öffentlichkeit zugänglich bleiben wird.

Wandgemälde im historischen Jagdsaal WillrodeJagdsaal aus dem 18. Jh. im Forsthaus Willrodehistorischer Jagdsaal im Forsthaus WillrodeJagdszene im Jagdsaal Willrode

Der historische Jagdsaal im Forsthaus Willrode erstrahlt nach der Renovierung in neuem Glanze. Er hat eine gute Akustik und ist für Veranstaltungen bestens gerüstet.
Die Wandgemälde stellen vermutlich Markgraf Friedrich und seine Begleiter auf 
einer für die damalige Zeit typischen Parforcejagd dar. Sie werden einem aus Erfurt stammenden Maler Zöllner (wahrscheinlich Johann Zöllner, es könnte aber auch Rudolf Christian Albert Zöllner gewesen sein) und Hofmaler des Markgrafen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth zugeschrieben.

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Backhaus

Ähnlich wie die Kapelle besitzt auch das Backhaus, das sich westlich an das Forsthaus anschließt, zumeist 70 cm dicke Bruchsteinmauern und es wird vermutet, dass es zur gleichen Zeit wie die Kapelle - also vermutlich Ende des 15. Jh - errichtet wurde und durch seine massive Bauweise sich mancher Zerstörung des angrenzenden Forsthauses widersetzt hat. Der Stein-Backofen (die Backfläche im Inneren ist etwa 1,70 m tief und bis zu 1,20 m breit!) ist wieder funktionsfähig und in Betrieb, sei es zum Brot- und Zwiebelkuchen backen oder für Plätzchen in der Vorweihnachtszeit usw.
Wie auf einem Plan von 1880 zu erkennen ist, befand sich damals seitlich am Backofen ein "Waschherd", sodass das Backhaus gleichzeitig auch als Waschhaus ("Waschküche") diente.
Das Backhaus bietet heute in einem urigen Ambiente Platz für etwa 25 Personen und kann wie auch der Raum im Erdgeschoss der Scheune für Veranstaltungen - z.B. private Feiern - gemietet werden

Backhaus Willrode Backofen in Willrode Backofen

Literatur

Die Stadtbibliothek Erfurt hat auch zu Willrode bzw. Willroda Literatur vorrätig.
Eine Anfrage an opac.erfurt.de mit Suchbegriff "Willroda" listet die Einträge.

 

Thüringer Grenzstein-Lapidarium

 Im Zuge der Sanierung des Forsthauses Willrode wurden auch die Außenflächen neu gestaltet und der ehemalige Garten des Forstguts wird nun auf Initiative des Landesvereins Thüringen des Deutschen Vereins für Vermessungswesen als Lapidarium genutzt. Ein Lapidarium ist eine Sammlung historischer Grenzsteine, und davon gab es im von Kleinstaaterei geprägten Thüringen vor 1914 bzw. 1918 sehr viele.

Das Lapidarium Willrode ist sehr ausführlich im Online-Lexikon Wikipedia dargestellt.

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